Schulen fehlen pro Woche fast 10.000 Stunden

Die Zahl erteilter Stunden in Sachsen-Anhalt ist deutlich gesunken. Die Linke spricht von einem “historischen Tiefststand”.

Volksstimme 27.12.2017 – Alexander Walter

Magdeburg l Es ist erst wenige Tage her, dass Marco Tullner (CDU) öffentlichkeitswirksam den 1000. Lehrer seit seinem Antritt als Bildungsminister im April 2016 im Dienst begrüßte. Das Land habe seit Beginn der Wahlperiode so viele Lehrer eingestellt wie nie, sagte Tullner davor und danach mehrfach. Jetzt zeigt sich: Die Einstellungen des Ministeriums genügen nicht, um den Lehrermangel in Sachsen-Anhalt zu entschärfen – im Gegenteil. Im Vergleich zum vorigen Schuljahr ist die Zahl der tatsächlich erteilten Unterrichtsstunden sogar gesunken. Das geht für die Linke aus einer Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage hervor.

So hat sich die Zahl der besetzten Lehrer-Vollzeitstellen seit September 2016 zwar leicht von 14.351 auf 14.382 erhöht – ein Plus von 31 Stellen. Gleichzeitig nahm die Schülerzahl aber um 1800 zu, und: Die Zahl der Lehrer, die wegen Langzeiterkrankungen ausfiel, erhöhte sich (von 361 auf 404) ebenso wie die Zahl der Pädagogen in Elternzeit (von 167 auf 261). Im Ergebnis sei der tatsächlich pro Woche erteilte Unterricht von rund 302.000 Stunden im vergangenen September um mehr als 6000 auf 295.500 Unterrichtsstunden im September 2017 gesunken, so Linken-Fraktionschef Thomas Lippmann. Hinzu kämen rund 3000 Unterichtsstunden, die für die zusätzlichen Schüler erforderlich wären. „Im Vergleich zum Schuljahr 2016/17 fehlen somit Woche für Woche fast 10.000 Unterrichtsstunden“, sagt Lippmann. Das entspreche einem Abbau von drei Prozent des gesamten Unterrichts in nur einem Jahr und sei „ein historischer Tiefststand bei der Unterrichtserteilung im Land“.

Landtag berät im Januar

Das Bildungsministerium sieht das anders: „Von einem historischen Tiefststand bei der Unterrichtserteilung kann nicht die Rede sein“, sagte Sprecher Stefan Thurmann gestern. So habe die Unterrichtsversorgung – sie gibt den Grad der Ausstattung der Schulen mit Lehrpersonal an – zu Anfang dieses Schuljahres landesweit bei 101 Prozent gelegen. 2016 lag der Wert noch bei 100,3 Prozent. Allerdings seien die Befunde auch für das Bildungsministerium „nicht im Ansatz zufriedenstellend“. Ziel bleibe eine Unterrichtsversorgung von 103 Prozent, wie von der Kenia-Koalition vereinbart.

Eine Volksinitiative, der auch die Linke als Mitinitiator angehört, fordert derzeit die sofortige Einstellung von 1000 zusätzlichen Lehrern und 400 pädagogischen Mitarbeitern, um die Personalnot an den Schulen zu entschärfen. Nach Anhörung empfahl der Petitionsausschuss, schon ab 2019 Stellen zu besetzen, deren Ausschreibung ursprünglich erst für 2020/21 vorgesehen war. Für Lehrer, die etwa durch Elternzeit ausfallen, soll es außerdem kurzfristig Ersatz geben. Der Landtag will im Januar über die Vorschläge abstimmen. Die Linke fordert die Einstellung von mindestens 1200 neuen Lehrern zum neuen Schuljahr.

Quelle: Volksstimme.de

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“Mangelwald” gegen Lehrermangel

Kurz vor Weihnachten hat eine Volksinitiative mit einem Wald aus Weihnachtsbäumen gegen Lehrermangel in Sachsen-Anhalt protestiert

Volksstimme 21.12.2017 – Alexander Walter

Magdeburg l Mit einem „Weihnachtsmangelwald“ hat eine Volksinitiative am Mittwoch vor dem Landtag von Sachsen­Anhalt auf den Personalmangel in den Schulen aufmerksam gemacht. Geschmückt waren die Bäume mit mehr als 1000 beschrifteten CDs, auf denen Schüler und Lehrer aus allen 14 Landkreisen Sachsen­ Anhalts Wünsche und Probleme formuliert hatten. „Ich möchte, dass meine Lehrerin für mich Zeit hat“, schrieb etwa eine Schülerin der Grundschule Staats (Kreis Stendal). Kernforderung der Initiative ist die rasche Einstellung von 1000 Lehrern und 400 pädagogischen Mitarbeitern zusätzlich. Alle jungen Lehrer sollen im Land gehalten und die Ausbildung des Pädagogennachwuchses ausgeweitet werden.

Vertreter der Initiative trugen ihr Anliegen bereits im Plenum und in Ausschüssen des Landtags vor. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verwies im Gespräch mit Vertretern der Initiative am Mittwoch auf eine Empfehlung des Petitionsausschusses, die Stellenzahl bereits ab 2019 spürbar zu erhöhen, geplant war das bislang später. Andere Bundesländer hätten allerdings ähnliche Probleme. “Wir dürfen auch nicht den Eindruck erwecken, dass die Zustände hier unerträglich sind”, sagte Haseloff.

Eva Gerth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die zu den Organisatoren gehört, sagte, der Grunddissenz bleibe: Die Volksinitiative fordere sofortige Entlastung für die Schulen, die Landesregierung wolle erst ab 2019 mehr Personal einstellen. Sie hoffe nun zumindest auf die ebenfalls vom Petitionsausschuss empfohlene Kompensation von Lehrkräften, die durch Langzeiterkrankungen oder Elternzeit nicht vor den Klassen stehen können, sagte Gerth. Laut Bildungsministerium handelt es sich um mehr als 600 Stellen. Ihr Ersatz würde den Landeshaushalt nicht zusätzlich belasten.

Linke fordert Nachtragshaushalt

Thomas Lippmann, Fraktionschef der Linken, die ebenfalls zu den Initiatoren der Volksinitiative gehört, sagte: “Herr Haseloff ist der Initiative außer mit warmen Worten nicht substanziell entgegengekommen.” Zur Gretchenfrage werde nun, ob es zum neuen Schuljahr spürbare Verbesserungen bei der Personalversorgung gibt. Dazu sei ein Nachtragshaushalt nötig. Gebe es keine Verbesserungen erwäge die Initiative ein Volksbegehren.

Die Landesregierung wollte ursprünglich bis 2021 die Zahl von 14.500 Vollzeit­Lehrerstellen erreicht haben, Änderungsmöglichkeiten sind je nach Bedarf bereits im Koalitionsvertrag verankert. Bis Ende 2017 sollen 14.237 Vollzeitstellen für Lehrer in den Schulen besetzt sein.

Quelle: Volksstimme.de

Sachsen-Anhalt investiert wenig in Bildung

Volksstimme 14.12.2017

Magdeburg/Wiesbaden (dpa/sa) – Sachsen-Anhalt hat im vergangenen Jahr pro Einwohner einen im Bundesvergleich unterdurchschnittlichen Betrag in Bildung investiert. Im Schnitt entfielen auf jeden Sachsen-Anhalter rund 1348 Euro, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag im Bildungsfinanzbericht 2017 mitteilte. Das sind über 200 Euro weniger als der Bundesdurchschnitt (1576 Euro). Die Summe aller Bildungsinvestitionen lag 2016 in Sachsen- Anhalt bei rund 3 Milliarden Euro.

Der höchsten Betrag pro Kopf wurde in Hamburg investiert (1882 Euro). Bund, Länder und Kommunen gaben insgesamt 128,4 Milliarden Euro aus, 3,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Pro Kopf kamen 1576 Euro zusammen (2015: 1510 Euro). Je Einwohner unter 30 Jahren lagen die Ausgaben bei 5300 Euro.

Die Hälfte (49,9 Prozent) aller Ausgaben entfiel auf die Schulen. 23,2 Prozent flossen dem Bildungsfinanzbericht zufolge in die Hochschulen, 19,2 Prozent in Kindertageseinrichtungen. 7,7 Prozent gingen in die Bildungsförderung, das sonstige Bildungswesen wie Volkshochschulen sowie die Jugendarbeit. Der Löwenanteil wurde von den Ländern mit 90,6 Milliarden Euro finanziert.

Quelle: Volksstimme.de

Neues Schulgesetz im Ausschuss diskutiert

Der Ausschuss für Bildung und Kultur hat sich am Freitag, 8. Dezember 2017, in einer öffentlichen Anhörung mit einem Gesetzentwurf zur Änderung des Schulgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt beschäftigt. Eingeladen waren Vertreter aus allen Bildungsbereichen, den Kommunen sowie Eltern- und Schülerräte.

Landtag.Sachsen-Anhalt.de

Übergabe der ersten Aktions-Postkarten

Übergabe der ersten Aktions-Postkarten an den Bildungsausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt

Fotos: Karsten Stöber

Am heutigen Tag konnten wir nach weniger als zwei Wochen nach Beginn unserer Postkartenaktion am 25.11.2017 die ersten 2126 Postkarten dem Bildungsausschuss des Landtages von Sachsen-Anhalt übergeben. Frau Monika Hohmann (neue Vorsitzende Bildungsausschuss) und Herr Thomas Lippmann (ehem. Vorsitzender Bildungsausschuss) haben uns dafür im Foyer des Landtags empfangen.

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Pressemitteilung

Übergabe der ersten Aktions-Postkarten an den Bildungsausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt

Monika Hohmann, die neue Vorsitzende des Bildungsausschusses im Landtag empfängt Vertreter der Elternrat-Initiative “Bildung in Not” am 08.12.2017 um 09:30Uhr im Foyer des Landtags

Es rumort an den Schulen. Seit dem Start der Postkartenaktion am 25.11.2017 auf der Magdeburger Schulmesse sind Eltern aufgefordert, die Missstände an ihren Schulen zu dokumentieren. Zu diesem Zweck können die Eltern den Bedarf an ihrer Schule auf einer vorgedruckten Postkarte äußern.

In den knapp zwei Wochen seit Beginn der Aktion wurden etwa 3500 Eltern erreicht, davon haben sich ca. 2100 Eltern beteiligt. Diesen ersten Rücklauf wird die Elternrat-Initiative „Bildung in Not“ am 08.12.2017 an den Bildungsausschuss des Landtags übergeben. Damit will die Elternrat-Initiative Initiative „Bildung in Not“ entschieden und nachdrücklich die Forderungen der „Volksinitiative gegen den Mangel“ nach mehr Lehrern und Pädagogischen MitarbeiterInnen unterstützen und die Wichtigkeit der Forderungen unterstreichen.

Mit der Dokumentation des Mangels an unseren Schulen senden wir Eltern deutliche Signale aus den Schulen direkt in den Landtag von Sachsen-Anhalt.

Schule Anzahl an Postkarten
(Stand 06.12.2017)
FöS Erich Kästner, MD 42
FöS Regenbogen, MD 117
GS Alt Olvenstedt, MD 113
GS Am Brückfeld, MD 103
GS Am Elbdamm, MD 107
GS Am Glacis, MD 88
GS Am Nordpark, MD 151
GS Am Pechauer Platz, MD 149
GS Am Westring, MD 145
GS Buckau, MD 227
GS Leipziger Straße, MD 130
GS Rothensee, MD 119
GS Salbke, MD 162
GS Werner Nolopp, Aken 17
GS Westerhüsen, MD 112
Sekundarschule Ernst Wille, MD 267
Sekundarschule Fritz Heike, Gommern 77
Summe 2126

Bislang sind insgesamt 2126 ausgefüllte Postkarten bei uns eingegangen. Eltern fordern auf 90% dieser Postkarten mehr Lehrer, auf 68% mehr Pädagogische MitarbeiterInnen. 55% der Eltern, die eine Postkarte ausgefüllt haben, möchten kleinere Klassen, 46% möchten weniger Unterrichtsausfall. Einen Schulleiter wünschen sich 79% der Eltern an der GS Am Pechauer Platz MD sowie 60% der Eltern an der GS Rothensee MD. Auf 26% der Postkarten werden neue Lehrmittel gefordert.

Im unteren Teil unserer Postkarte haben Eltern die Möglichkeit, eigene Wünsche zu formulieren und Kommentare zu übermitteln.

Drei Notwendigkeiten werden besonders deutlich:

  1. Eltern fordern eine ausreichende Anzahl von Lehrern, Förderlehrern, Sprachlehrern und Pädagogischen MitarbeiterInnen,
    – damit SchülerInnen mit Förderbedarf inklusiv beschult werden können (Inklusion nicht nur dem Namen nach, sondern nutzbringend für die Betreffenden)
    – damit die Integration von Kindern mit Sprachhindernissen gelingt
    – um die permanente Überlastung der vorhandenen Lehrer aufzufangen
  2. Förderschulen müssen besser ausgestattet werden.
    Beispielsweise wünschen sich 99% der Eltern an der Regenbogenschule MD mehr Pädagogische MitarbeiterInnen. Mehr Klassenräume und Therapieräume sowie mehr Therapeuten werden dort ebenfalls schmerzlich vermisst.
  3. Die Förderung der Schulsozialarbeit durch den ESF (Europäischer Sozialfonds) läuft 2020 aus und muss dringend dauerhaft als Bestandteil in das Schulsystem integriert werden, um vielfältige Probleme im heutigen Schulalltag bewältigen zu können.
    Beispielsweise wird an der GS Buckau MD von vielen Eltern dringend ein Schulsozialarbeiter gewünscht.

Postkartenaktion läuft

Unsere Postkartenaktion ist in der Zwischenzeit in zahlreichen Schulen in und um Magdeburg in vollem Gange. Bitte beteiligen Sie sich an der Aktion und zeigen Sie ganz direkt welche Forderungen an der Schule ihrer Kinder bestehen.

Wahl zum Magdeburger des Jahres 2017

Der langjährige Vorsitzende des Stadtelternrates der Stadt Magdeburg Detlef Hubold ist nominiert

Die Abstimmung zum Magdeburger des Jahres 2017 hat begonnen. Einer der Kandidaten ist der langjährige Vorsitzende des Stadtelternrates Detlef Hubold.

Zehn Jahre lang hat er sich in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für alle Schüler und Eltern der Stadt Magdeburg eingesetzt und hat vieles erreicht. Jetzt gibt es die Möglichkeit, seine Arbeit zu würdigen.

Drei Wege an der Abstimmung teilzunehmen:

  • Für die direkte Teilnahme im Internet bitte hier auf Volksstimme klicken.
  • Für die Teilnahme mit Wahlzettel bitte hier klicken und den ausgefüllten Wahlzettel, am besten mit Kreuz bei Detlef Hubold, an die Volksstimme schicken.
  • Per Telefon unter 0137 80 02 403

Baby-Boom verschärft den Lehrermangel

Babyboom und Zuwanderung lassen Prognosen alt aussehen: In Sachsen-Anhalt gibt es so viele Grundschüler wie seit dem Jahr 2000 nicht.

Volksstimme 28.11.2017 – Alexander Walter

Magdeburg l Die jüngste Bevölkerungsprognose ist gerade anderthalb Jahre alt. Und doch bleibt sie schon wieder hinter der Wirklichkeit zurück: 67.805 Schüler besuchen Sachsen-Anhalts Grundschulen nach Angaben des Statistischen Landesamts im laufenden Schuljahr. Das sind 660 mehr als in der neuesten Vorhersage berechnet.

Insgesamt lernen damit so viele Kinder in Grundschulen im Land wie seit der Jahrtausendwende nicht. Die Entwicklung könnte sich fortsetzen, das legen neueste Statistiken nahe. So stieg die Geburtenzahl 2016 im dritten Jahr infolge (Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor). 18.093 Kinder wurden 2016 in Sachsen-Anhalt geboren – 1303 mehr als kalkuliert.

Schulplanung hinfällig

Besonders stark betroffen ist Magdeburg. 174 Schüler mehr als im Vorjahr wurden in der Landeshauptstadt eingeschult. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) rechnet mit einer noch drastischeren Zunahme bis 2023. Nach Berechnungen der Stadt wird die Zahl der Einschüler von aktuell 2093 auf dann 2410 pro Jahr anwachsen.

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