Linke erhebt Vorwürfe gegen Marco Tullner

Die Linke im Magdeburger Landtag wirft Sachsen-Anhalts Bildungsminister Opportunismus bei der Debatte um mehr Lehrer vor.

Volksstimme 05.05.2017 – Alexander Walter

Magdeburg l Bildungspolitiker Thomas Lippmann (Die Linke), hat Bildungsminister Marco Tullner (CDU) in der Debatte um den Personalmangel an den Schulen Opportunismus vorgeworfen: „Wenn Sie ernst genommen werden wollen, streiten Sie im Kabinett für Ihren Bereich, nicht im Schaufenster. Das ist klein, schwach und feige“, sagte Lippmann am Freitag im Landtag.

SPD fordert Aufstockung der Stellenziele

Gemeint waren Äußerungen Tullners zu den Zielen einer von Lehrer-Verbänden, Gewerkschaften sowie der Partei Die Linke gestarteten Volksinitiative. Diese fordert unter anderem 1000 Lehrer und 400 pädagogische Mitarbeiter zusätzlich an den Schulen. Tullner hatte die Forderungen der Initiative als Rückenwind für seine Arbeit bewertet, zugleich aber darauf verwiesen, dass er an den Haushalt gebunden sei.

Nach aktuellen Planungen will die Koalition die Zahl der Lehrer-Vollzeitstellen von derzeit gut 14000 auf 14500 bis 2020 aufstocken. Angesichts steigender Schülerzahlen hält die SPD das für zu wenig. „Es liegt auf der Hand, dass wir mehr schaffen müssen“, sagte Fraktionschefin Katja Pähle. Bildungspolitikerin Angela Kolb-Janssen forderte eine breite Debatte, um mehr Lehrer für den Schuldienst zu gewinnen. Die Linke scheiterte am Freitag mit einem Antrag, unverzüglich 600 Lehrerstellen zusätzlich auszuschreiben.

Lehrer beklagen massive Stunden-Kürzungen

Lehrer beklagen massive Kürzungen bei der Unterrichtsversorgung. Auch die GEW Jerichower Land übt viel Kritik.

Volksstimme 27.04.2017 – Falk Heidel

Burg/Genthin l Der Lehrermangel ist Dauerthema an Sachsen-Anhalts Schulen. „Die siebenprozentige Kürzung in der Unterrichtsversorgung entspricht in der Summe landesweit 250 Lehrerstellen“, sagt Ingo Doßmann. Der Grundschulleiter aus Genthin ist im Jerichower Land Kreisvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Initiator einer öffentlichen Erklärung von Grundschulleitern im Norden Sachsen-Anhalts zwischen Harz und Westaltmark. Doßmann sagt: „Mit dieser Kürzung fällt das verfügbare Arbeitsvolumen der Lehrkräfte auf das Niveau des Jahres 2000 zurück, also vor der Einführung der Grundschule mit verlässlichen Öffnungszeiten.“

Sich selbst überlassen

Ende Mai will Doßmann diese Erklärung mit den Unterschriften der unterzeichnenden Schulleiter an Bildungsminister Tullner übergeben. Unter anderem bezieht sich die heftige Reaktion der Lehrer auf ein Volksstimme-Interview mit Tullner vom 23. März. Darin erklärte der Minister eine Grundschule in Wernigerode, die wegen Lehrermangels drei Tages geschlossen wurde, zum Einzelfall. Das bestreitet Ingo Doßmann mit Beispielen aus dem Jerichower Land: „An der Sekundarschule in Brettin mussten mehrere Klassen nach Hause geschickt werden. In Möckern und Burg mussten die Grundschulen wochenlang ohne pädagogische Mitarbeiter auskommen.“ Gewerkschafter und Schulleiter Doßmann greift Tullner direkt an: „Er bombardiert das System durch Entzug.“

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GEW und Schulen fürchten Einschnitte

Sachsen-Anhalts Bildungsministerium will Unterrichtsausfälle reduzieren. Schulen und GEW warnen vor sinkenden Stundenkontingenten.

Volksstimme 23.04.2017

Magdeburg (dpa) l Sachsen-Anhalts Schulen stehen aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vor gravierenden Einschnitten. “Anstatt für das nächste Schuljahr durch Einstellungen für das nötige Personal zu sorgen, plant der Bildungsminister in erheblichem Maße, die Zuweisungen von Lehrerwochenstunden für die Schulen zu vermindern”, teilte die GEW in einer am Sonnabend veröffentlichten Resolution mit.

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GEW sieht Schulen vor gravierenden Einschnitten

Volksstimme 22.04.2017

Magdeburg (dpa/sa) – Sachsen-Anhalts Schulen stehen aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vor gravierenden Einschnitten. “Anstatt für das nächste Schuljahr durch Einstellungen für das nötige Personal zu sorgen, plant der Bildungsminister in erheblichem Maße, die Zuweisungen von Lehrerwochenstunden für die Schulen zu vermindern”, teilte die GEW in einer am Samstag veröffentlichten Resolution mit.

“In Kauf genommen werden damit Klassenzusammenlegungen, jahrgangsübergreifender Unterricht, größere Lerngruppen und weniger Förderung des Einzelnen.” Mit den sogenannten bedarfsmindernden Maßnahmen solle die bestehende katastrophale Unterrichtsversorgung kaschiert werden.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hatte in einem Brief an die Schulen im Land im März erklärt, alle Chancen für Neueinstellungen zu nutzen. Zudem solle es “geringe Anpassungen” bei den Zuweisungen von Lehrerwochenstunden geben.

Die Unterrichtsversorgung an den Schulen im Land liegt aktuell deutlich unter dem von der Koalition angestrebten Wert von 103 Prozent, der auch für Krankheitsfälle oder Elternzeiten Vertretungen zuließe. Zum Stichtag 21. September 216 hatte der Wert an den allgemeinbildenden Schulen nur 99,5 Prozent erreicht.

Bildungsminister: Größere Schulklassen

Volksstimme 23.03.2017

Magdeburg (dpa/sa) – Als Folge des Lehrermangels soll es in Sachsen-Anhalt zukünftig wieder vollere Schulklassen geben. Wie Bildungsminister Marco Tullner (CDU) der “Magdeburger Volksstimme” (Onlineausgabe) sagte, müssten für mehr Effizienz die bereits bestehenden Richtgrößen von 22 Schülern pro Klasse in Grundschulen umgesetzt werden. Derzeit würden auch mit 13 oder 14 Kindern Klassen gebildet. Außerdem könne man vor allem im ländlichen Raum den Zusammenschluss von Klassen nicht ausschließen. “Wenn wir die Schule im Ort halten wollen, wird es im Einzelfall auch jahrgangsübergreifenden Unterricht geben müssen”, sagte Tullner der Zeitung.